Thank you for the Honey!

Thank you for the Honey! ist ein transmediales Kunstprojekt von Spezies zu Spezies – vom Menschen für die Biene und zurück – ermöglicht durch das Medienkunststipendium der HFF München, der Kirchstiftung und Frau Regina Hesselberger.

Bienen und Menschen sind einander wie Aliens. Unsere letzten gemeinsamen Vorfahren lebten vor über 600 Millionen Jahren. Bienen und Menschen existieren miteinander, doch sie leben in verschiedenen Wirklichkeiten.

Und obwohl wir praktisch nichts gemeinsam haben, schenken uns diese kleinen seltsamen Tierchen seit Jahrtausenden freigiebig ihren Honig, ihr Wachs und bestäuben unsere Nutz- und Zierpflanzen. Fast 80 Prozent aller Pflanzen werden von der Westlichen Honigbiene bestäubt. Diese ist bei uns nach Rind und Schwein das drittwichtigste Nutztier. Weltweit liegt die Wertschöpfung der Biene bei circa 265 Milliarden Euro pro Jahr.

Es ist höchste Zeit, endlich Danke zu sagen! “Thank you for the Honey!” ist ein Bienefiezprojekt von Spezies zu Spezies. Zum Dank für den Luxus, in dem wir aufgrund der Bienen leben dürfen, durch Honig, Wachs und Blütenbestäubung, wollen wir der Biene das Größte schenken, was wir haben: Das Kino!

Ein Kino für Bienen muss deren spezifische Wahrnehmungskaterogien zur Grundlage nehmen. Bienen sehen die Welt mit anderen Augen. Sie sehen andere Farben und nehmen Töne anders wahr als Menschen. “Thank you for the Honey!” wird ihnen ermöglichen, die Welt so zu sehen, wie wir. Für die Dauer eines Kinofilms.

Farbspektrum von Bienen und Menschen

Um ein Kino für Bienen zu verwirklichen, werde ich einen speziellen Bienenstock mit einem Glasfenster konzipieren, der es einem auserwählten Schwarm ermöglicht, einen Film aus dem geschützen Raum des Stocks heraus anschauen zu können.

Während des Sommers werde ich ein Bienenvolk aufzüchten, welches das Publikum der Bienefiez-Kino-Gala bilden wird. Während des gesamten Jahres werden sich die auserwählten Bienen um nichts kümmern müssen und können getrost die Flügel hochlegen. Denn hier geht es um sie.

Für die Projektion werde ich den Film “Gone with the Wind” von 1939, den inflationsbereinigt erfolgreichsten (ergo “besten”) Film aller Zeiten technisch so adaptieren, dass den Bienen ein Kinoerlebnis zuteil wird, wie es sonst nur Menschen haben.

Durch eine Verschiebung des Farbraums und eine Veränderung der Framerate werden die Bienen in die Lage versetzt, die Höhen und Tiefen von Scarlett O’Haras Schicksal miterleben zu können.

Zwar ist bei Bienen kein Hörsinn nachgewiesen, allerdings sind sie in der Lage, Töne eines bestimmten Frequenzbereichs taktil mit ihren Härchen zu spüren. Indem ich die Tonebene des Films in diesen Bereich verschiebe, ermögliche ich den Bienen, dass sie den Film – wenn sie ihn schon nicht hören können – sie ihn doch zumindest am ganzen Körper fühlen können.

In der tragischen Geschichte dieses Films steckt soviel Menschlichkeit, dass sie geeignet scheint, den Bienen damit ein echtes und aufrichtiges Geschenk von Angesicht zu Angesicht, von Mensch zu Biene, darzubringen.

Die tausend Affekt-Gesichter von Scarlett O’Hara bringen eine Vielfalt an Emotionen so offen, unverstellt und eindrucksvoll auf die Leinwand, dass sie auch für Wesen anderer Spezies’ verstehbar bleiben.

Denn “Thank you for the Honey!” meint es ernst. Wir müssen die Welt mit anderen Augen betrachten und in anderen Geschichten erzählen. Nur wer die Perspektive ändert, kann die Welt neu entdecken.

BECAUSE FRANKLY, MY DEARS, WE GIVE A DAMN!